E-Learning erstellen: Was Kochen und E-Learning-Content gemeinsam haben.

Stellen Sie sich vor, Sie möchten ein großartiges Abendessen für Ihre Familie oder Ihren Freundeskreis zubereiten. Würden Sie sich vorher Gedanken über die Wünsche der Gäste machen und das Menü so zusammenstellen, dass für jeden Geschmack etwas dabei ist? Würden Sie die Zutaten sorgfältig auswählen und bei der Zubereitung strukturiert vorgehen, damit nichts schief geht? Und würden Sie dafür sorgen, dass die Gänge schön angerichtet serviert werden, weil das Auge bekanntlich mit isst? Vermutlich werden die meisten von uns diese Fragen mit „Ja“ beantworten, denn schließlich sollen die Gäste nicht nur satt, sondern auch glücklich werden.

Was das Ganze mit E-Learning-Gestaltung zu tun hat? Eine ganze Menge, denn auch wenn Sie E-Learning-Inhalte erstellen, genügt es nicht, die Lernenden nur „satt“ zu machen, indem Sie bereits vorhandenes Material (z.B. PowerPoint-Folien) in digitaler Form bereitstellen. Vielmehr geht es darum, alle Inhalte in einer für das digitale Lernen geeigneten Form aufzubereiten und anzubieten. Aber keine Sorge: Auch wenn es bei der E-Learning-Gestaltung ähnlich wie beim Kochen viel zu beachten gibt, muss niemand eine Ausbildung in der „Sterneküche“ absolvieren, um motivierenden und ansprechenden E-Learning-Content selbst zu erstellen.

Das erwartet Sie hier.

In diesem Artikel zeigen wir Ihnen, wie Sie am besten vorgehen, wenn Sie für Ihre Mitarbeitenden E-Learning-Kurse erstellen, und welche Aspekte aus Sicht der Lernenden nicht zu kurz kommen sollten. Folgende Punkte möchten wir näher beleuchten:

Bringen Sie möglichst viel über Ihre Zielgruppe in Erfahrung.

Die Erstellung von E-Learning-Content beginnt nicht mit der Konzeption und Ausgestaltung der Lerninhalte, sondern mit einer guten Vorbereitung. Nur wenn Sie Ihre Zielgruppe vorab analysieren und darauf aufbauend die zu vermittelnden Inhalte, geeignete Lernmedien und die passenden Methoden definieren, sind Sie in der Lage, E-Learning-Content zu erstellen, der die Bedürfnisse und Anforderungen der Lernenden perfekt bedient.

Bei der Analyse der Zielgruppe ist es wichtig, die Perspektive der Lernenden einzunehmen. Stellen Sie sich z.B. folgende Fragen:

Basierend auf der Zielgruppenanalyse sollten dann verschiedene Personas skizziert werden. Hierbei handelt es sich um fiktive Personen, die mit konkreten Eigenschaften versehen werden und so die typischen Lernenden repräsentieren. Auch wenn dies auf den ersten Blick aufwändig erscheint, sind Personas hilfreich, wenn Sie E-Learning-Content selbst erstellen. Indem Sie immer wieder die Perspektiven von fiktiven Lernenden einnehmen, während Sie ein E-Learning entwickeln, vermeiden Sie Fehlentscheidungen, die womöglich an den eigentlichen Bedürfnissen vorbeigehen.

Wählen Sie die Inhalte mit Bedacht aus und schaffen Sie Relevanz.

Wenn Sie E-Learning-Inhalte gestalten, sind neben der Zielgruppenanalyse auch gute Zutaten, nämlich die Lerninhalte, ein Erfolgsfaktor. Dabei sollten Sie in den Fokus nehmen, wozu Sie die Lernenden mit dem E-Learning befähigen möchten. Im Zentrum steht also nicht die Frage, was gelernt werden soll, sondern vielmehr, welche Kompetenzen die Lernenden mithilfe des E-Learnings aufbauen sollen.

Wichtig ist eine didaktische Reduktion von Fachinhalten. Dies gilt insbesondere dann, wenn Sie E-Learning-Content erstellen, der sich an Lernende mit keinem oder nur wenig Vorwissen richtet. Folgende Hinweise und Tipps möchten wir Ihnen für die Auswahl und Zusammenstellung der Inhalte mit auf den Weg geben:

Wenn Sie E-Learning-Content erstellen, sollte der Inhalt möglichst komprimiert und leicht „bekömmlich“ sein. Auch wenn bereits Material zu einem bestimmten Thema vorliegt, sollten Sie es vor der Umsetzung noch einmal prüfen und bei Bedarf auf die notwendigen Lerninhalte verdichten. Weiterführende Inhalte sind optional möglich, aber dann sollte ersichtlich sein, dass es sich um zusätzliche Informationen handelt.

Formulieren Sie alle Texte so, dass auch Personen ohne Fachkenntnisse sie verstehen können. Nicht immer lassen sich Fachbegriffe oder Abkürzungen ganz vermeiden, wenn Sie E-Learning-Content erstellen. In diesem Fall können Sie Fachbegriffe kurz erläutern und Abkürzungen ausschreiben, wenn sie zum ersten Mal auftauchen.

Wenn Sie E-Learning-Content erstellen, tun Sie dies vermutlich, weil das Thema eine hohe Relevanz oder einen großen Nutzen hat. Thematisieren Sie genau das auch im E-Learning-Kurs, zum Beispiel als Einstieg. Denn wenn die Lernenden die Relevanz und den Nutzen für sich selbst erkennen, werden Sie wesentlich motivierter sein.

Hilfreich in diesem Zusammenhang sind Fallbeispiele und kleine „Alltagsgeschichten“ rund um das Thema. Denn Sie machen den E-Learning-Content greifbar und sorgen dafür, dass die Inhalte nicht theoretisch und abstrakt bleiben, sondern konkret auf den eigenen Alltag bezogen werden können.

Wenn Sie E-Learning erstellen, geht es also nicht darum, lediglich reines Fakten- und Fachwissen zu vermitteln. Stattdessen sollten Sie den E-Learning-Content immer so gestalten, dass die Lernenden einen direkten Zugang zu den Inhalten haben, indem Sie auch einen Bezug zu ihrem eigenen Umfeld herstellen können.

Wie identifizieren Sie geeignete Lernmedien?

Neben den eigentlichen Inhalten entscheidet bei der E-Learning-Gestaltung natürlich auch das Lernmedium und die darin verwendeten Methoden darüber, ob ein Lernangebot gut „abgeschmeckt“ ist. Zunächst sollten Sie entscheiden, welches Medium grundsätzlich zum Einsatz kommt. Um Ihnen diese Entscheidung zu erleichtern, haben wir hier einige Beispiele aus der Praxis für Sie zusammengestellt:

Wenn Sie ein E-Learning erstellen, welches die Lernenden in ihrem täglichen Handeln und bei konkreten Problemstellungen unterstützen soll, ist Micro Learning ideal geeignet (z.B. Interaktive Lernkarten). Die Unterteilung des E-Learning-Contents in kurze Häppchen mit einer Länge von maximal 8 Minuten erleichtert dabei die Integration des Lernens in den Arbeitsalltag.

Beispiel für eine Micro-Learning-Einheit: Das Pareto-Prinizip

Wenn Sie ein E-Learning entwickeln, das aufgrund des Themas in sich geschlossen sein soll und eine bestimmte Abfolge haben muss, ist ein geführtes, lineares Lernprogramm oder eine Lernsequenz das optimale Lernmedium. Hier führen Sie die Lernenden seiten- und kapitelweise durch die Inhalte und können dabei eine gewisse Dramaturgie aufbauen, wie z.B. durch eine Geschichte, die sich wie ein roter Faden durch das Lernprogramm zieht und die am Ende positiv aufgelöst wird.

Beispiel für eine Lernsequenz: Zahlvorgänge und Arbeitskleidung in der Systemgastronomie

E-Learning-Content, mit dem die Lernenden in einem geschützten Rahmen ihr eigenes Verhalten reflektieren und optimieren sollen, eignet sich hervorragend für szenariobasierte Trainings. Darin werden sie mit Situationen konfrontiert, müssen selbst Entscheidungen treffen und erhalten konstruktives Feedback hierzu. Idealerweise erstellen Sie für solche Trainings auch E-Learning-Videos, um positive sowie negative Auswirkungen der Entscheidungen realitätsnah aufzeigen zu können (z.B. in Form von Reaktionen anderer Personen).  

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Beispiel für ein Szenariobasiertes Lernprogramm

Wenn Sie E-Learning erstellen, in dem die Lernenden ein Zertifikat erhalten sollen, sind häufig Tests oder Lernerfolgskontrollen erforderlich. Die Aufgaben sollten Sie möglichst abwechslungsreich gestalten und z.B. nicht nur mit Multiple-Choice-Fragen arbeiten. Auch die Umsetzung eines Quiz und spielerischer Aufgabentypen (z.B. Memory oder Wortsuche) kann je nach Thema und Zielgruppe in Betracht gezogen werden.

Beispiel für eine Lernerfolgskontrolle: Lückentextaufgabe

Sorgen Sie für einen ausgewogenen Medienmix.

Wenn Sie sich für das geeignete Lernmedium entschieden haben, möchten Sie vermutlich keine fade „Blättermaschine“ produzieren, in der alle Seiten gleich aussehen. Stattdessen möchten Sie eine ausgewogene Mischung an Medien und Interaktionen einsetzen, die einen Mehrwert bieten und den Inhalt optimal transportieren. Die Bandbreite an möglichen Medien in E-Learning-Kursen ist groß und umfasst neben Textelementen unter anderem folgende Elemente:

Wichtig ist, dass alle eingesetzten Medien dem Thema und dem Inhalt angemessen sind. Wenn Sie E-Learning selbst erstellen, ist also nicht alles, was technisch möglich ist, automatisch sinnvoll. Andererseits können gerade etwas aufwändigere Medien einen großen Effekt erzielen, selbst wenn Sie diese nur dosiert einsetzen:

Die Auswahl der einzelnen Medien und der damit verbundenen Interaktionen ist also stark vom Inhalt abhängig und es gibt leider kein Patentrezept. Ziehen Sie am besten zunächst viele Möglichkeiten in Betracht, anstatt sich vorab auf bestimmte Medien festzulegen, wenn Sie ein E-Learning erstellen. Denn indem Sie verschiedene Medien- und Interaktionsarten sinnvoll miteinander kombinieren, sorgen Sie für Abwechslung, Freude am Entdecken und letztlich für positive Emotionen beim Lernen.

Binden Sie das Feedback der Zielgruppe mit in die Umsetzung ein

Wenn Sie E-Learning selbst erstellen, gehen Sie am besten gut strukturiert in einzelnen Schritten, aber auch mit einer gewissen Agilität vor. Jede E-Learning-Gestaltung erfolgt idealerweise sukzessive und könnte z.B. in folgenden Phasen ablaufen:

< Personas
Phase 1
In der Konzeptversion legen Sie den Aufbau vom E-Learning-Content fest und skizzieren darin Medien und Interaktionen, ohne sie bereits komplett grafisch und funktional auszugestalten.
< Personas
Personas und Usertests >
Phase 2
Die darauf aufbauende Betaversion enthält bereits alle Medien und Interaktionen in einer ersten, grafisch und funktional ausgestalteten Version. Sie ist die Basis für weitere Korrekturen und Optimierungen.
Personas und Usertests >
< Pilotphase
Phase 3
Die Finalversion ist schließlich die Version, die aus der korrigierten Betaversion hervorgeht. Sie wird allen Lernenden bereitgestellt und muss dementsprechend alle Änderungen enthalten, die im Zuge der Betakorrekturen beschlossen wurden.
< Pilotphase

Wichtig ist, dass Sie in jeder Phase agil vorgehen und den notwendigen Raum für Optimierungen lassen. Wenn Sie ein E-Learning selbst erstellen, sollten sie deshalb spätestens in der Betaversion die Lernenden selbst probieren lassen. So können Sie z.B. ausgewählten Personen eine Testversion zur Verfügung stellen, um Feedback zur Nutzerführung, zur Verständlichkeit des Inhalts und zur E-Learning Gestaltung im Allgemeinen einzuholen. Idealerweise sollten bei der gesamten Umsetzung von E-Learning Content auch die bereits erwähnten Personas zum Einsatz kommen. Mit ihrer Hilfe können Sie in jeder Phase die Perspektive fiktiver Lernender einnehmen und Schwachstellen früh identifizieren.  Ebenfalls bewährt hat sich die Durchführung einer Pilotphase, in der ein ausgewählter Kreis die Finalversion noch einmal ausprobieren und Feedback dazu geben kann, bevor der E-Learning Content in der gesamten Organisation ausgerollt wird.

Fazit

Falls Sie ein E-Learning entwickeln, ist also wie beim Kochen eines leckeren Essens das ständige „Abschmecken“ und ein gut dosiertes „Nachwürzen“ erwünscht und absolut zu empfehlen. Und wer kann schon besser darüber entscheiden, ob die verschiedenen Geschmäcker gut getroffen sind, als die Zielgruppe selbst? Wenn Sie diesen wichtigen Aspekt beachten und zudem all die anderen Tipps rund um die E-Learning Gestaltung beherzigen, werden Sie garantiert für ein rundes Geschmacks- und Lernerlebnis bei Ihrer Zielgruppe sorgen.

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