Wie Sie ein motivierendes E-Learning-Medium konzipieren

Ja, Lernen hat in der Schule nur den wenigsten Spaß gemacht – zu viel Pflicht, zu viel Masse. Damit wurden viele Chancen für eine positive Einstellung zu lebenslangem Lernen verschenkt.

Wir haben jetzt die Chance, es besser zu machen!

Indem wir moderne Medien nutzen, die Inhalte nicht einfach „bereitstellen“, sondern zu einem positiven Lernerlebnis machen. Selbst wenn es um Pflichtinhalte geht. Lernmedien, die den Mehrwert ihrer Inhalte deutlich machen, indem sie auf den Lernenden zugeschnitten sind. Und indem sie den Stoff nicht über den Lernenden ausschütten, sondern diesen einladen, auf Entdeckungsreise zu gehen.

Natürlich geht das – gut konzipiertes und umgesetztes E-Learning ist dazu in der Lage! Aber dann heißt es von Anfang an, alles richtig machen. Und dazu sollten wir zunächst …

… die richtigen Fragen stellen!

Und was sind die richtigen Fragen? Fangen wir doch mal mit dieser an:

Welches Ziel soll mit dem E-Learning erreicht werden?

Die Kompetenz des Lernenden soll in einem bestimmten Bereich erweitert werden. Wissen zu einem bestimmten Thema wird als Grundlage für den Kompetenzerwerb erst noch benötigt.

Für einen Kunden aus der Systemgastronomie könnten wir zum Beispiel annehmen, dass ein neues Gericht in die Speisekarte aufgenommen werden soll, dessen Rezept die Köche aber noch nicht kennen und das Gericht demzufolge auch nicht kochen können. Ziel des E-Learnings soll es also sein, dass die Köche wissen, wie das neue Gericht zubereitet wird und dieses auch zubereiten können.

Mitarbeiter in einem Gastronomiebetrieb lernen mit der Fit in Hygiene Mitarbeiterschulung am Tablet Hygienevorschriften.

Was wurde bisher unternommen, um dieses Ziel zu erreichen?

Oder anders gefragt: Können wir von Vorwissen beim Lernenden ausgehen, oder fangen wir bei Null an? Sollte es Vorkenntnisse geben, dann ist es wichtig, daran anzuschließen und den Lernenden mit herausfordernden neuen Aufgaben zu konfrontieren.

Gibt es Inhalte, die nicht benötigt werden, sodass wir uns auf wenige wichtige Schwerpunkte konzentrieren können? Oder konzipieren wir allumfassend? Der Lerninhalt soll für den Lernenden immer in einen Kontext eingebettet sein, damit er ihn für sich einordnen kann.

Bleiben wir bei unseren Gastronomiebeispiel, so könnte es hier auch den Fall geben, dass ein Koch gerade erst seinen Job angetreten hat und seinen neuen Arbeitgeber noch gar nicht kennt. In diesem Fall benötigt er natürlich umfangreichere Inhalte als derjenige, der nur ein neues Gericht kochen möchte. Diese unterschiedlichen Voraussetzungen können erheblichen Einfluss haben, nicht nur auf Umfang, sondern auch auf Sprache und Schwierigkeitsgrad des E-Learning-Mediums. Haben wir also diese Informationen nicht, erstellen wir sehr wahrscheinlich ein nicht den Bedarf treffendes Konzept! Haben wir eine Antwort auf diese Frage, fahren wir fort:

Wie können wir sicherstellen, dass das Ziel erreicht wurde?

Allein die Tatsache, dass der Lernende ein Lernmedium „durchgearbeitet“ hat, bedeutet keinen Lernerfolg. Wir müssen also einen Weg finden, das messbar zu machen, was angekommen ist.

In klassischer Variante funktioniert dies natürlich über Aufgaben oder Tests. Darüber hinaus gibt es kreative Möglichkeiten, etwa indem wir ein konkretes Szenario nachbilden, in dem der Lernende sich erst zurechtfindet, wenn er mit dem Lerninhalt vertraut ist. Oder indem wir ihn Punkte für das richtige Beantworten von Fragen sammeln lassen, in Wettbewerb zu anderen treten lassen. Hier können wir uns einiges einfallen lassen – wichtig ist nur:

Haben wir keine Antworten auf obige Fragen, können wir kein auf das Unternehmen und seine Lernenden zugeschnittenes Konzept für eine E-Learning-Maßnahme entwickeln. Wir werden im Folgenden merken, dass uns dann wichtige Informationen fehlen!

Haben wir zufriedenstellende Antworten auf unsere Fragen gefunden, gilt es als nächstes …

… die Situation des Lernenden richtig einzuschätzen!

Dazu fragen wir uns, was für den Lernenden relevant ist. Er sollte immer die Relevanz der Lerninhalte für seinen Arbeitsalltag erkennen. Unter welchen Umständen hat unsere Maßnahme einen Mehrwert für ihn? Beantworten können wir das, wenn wir hochwertige Informationen aus unseren oben skizzierten Fragen gewonnen haben. Denn dann sollten wir wissen, wo seine aktuellen Herausforderungen liegen.

Erfolgreich beim Lernen sind wir, wenn wir selbstbestimmt lernen können! Wir sollten also darauf achten, dass wir dem Lernenden so wenig Vorgaben, Regeln und Pflichten wie möglich diktieren.
Dazu gehört auch,

  • dass wir nach Möglichkeit keine feste Reihenfolge für die Inhalte unseres Mediums festlegen, sondern den Lernenden selbst seinen Weg suchen lassen,
  • dass der Lernende sein Lernen jederzeit unterbrechen und wiederaufnehmen kann, und zwar wann und wo es für ihn passend ist und
  • dass die Lerninhalte gut strukturiert und in möglichst kleine Lerneinheiten unterteilt sind, sodass der Lernende größtmögliche Freiheit hat – auch bei der Wahl der Lernzeit, die er investieren kann (Stichwort: „Micro Learning“).

Kennen wir unsere Zielgruppe gut, wissen wir, wie wir ein E-Learning-Medium konzipieren können, das erst Neugier und dann Begeisterung weckt. Wir können nicht nur einschätzen, mit wem wir es zu tun haben, sondern auch Vorkenntnisse, aktuellen Wissenstand, Schwierigkeiten einbeziehen.
Können wir das nicht, haben wir im Vorhinein schlecht gefragt!

Erst wenn all diese Informationen vorliegen, wissen wir, was für die spezielle Zielgruppe ein gutes E-Learning-Medium ist und können …

… eine hohe Lernmotivation schaffen!

Denn natürlich bedingt sich die Qualität von E-Learning nicht nur aus guter Vorarbeit. Wir können dafür sorgen, dass die Arbeit mit dem Medium Spaß macht. Dazu müssen wir Aufmerksamkeit und Motivation des Lernenden hoch halten.

Das erreichen wir durch:

1. Interaktivität

Beziehen wir den Lernenden ins Geschehen ein – stellen wir ihm Fragen, geben wir ihm Aufgaben!
Ein E-Learning-Medium „durchklickern“, das ist langweilig. Die bessere Idee ist, es den Lernenden „erforschen“ zu lassen!

Dazu können wir dem Lernenden Schätzaufgaben stellen, ihn entscheiden lassen, ob er den linken, mittleren oder rechten Weg wählt, ihn fehlende Teile eines Ganzen suchen lassen, ein Quiz starten, vielleicht im Wettbewerb mit anderen, oder ihn Handlungen und Aussagen von anderen bewerten lassen, die er dann wiederum mit Expertenmeinungen vergleichen kann – und vieles mehr!

2. Reduzierte Textmengen

Sorgen wir dafür, dass

  • nicht zu viel Text auf dem Bildschirm steht. Der bloße Anblick großer Textmengen wirkt bereits abschreckend.
  • die Sätze kurz und prägnant formuliert sind. Ein umständlich formulierter Hauptsatz mit zahlreichen Verschachtelungen liefert keinen lernbaren Inhalt.
  • bei einem audiobasierten Medium die Sprechertexte nicht ausufern. Wenn der Sprecher anhaltend spricht, wirkt das nicht auflockernd, sondern ermüdend. Insbesondere dann, wenn währenddessen auf dem Bildschirm wenig oder gar nichts passiert.

3. Optische Anreize

Das optische Erscheinungsbild eines E-Learning-Mediums ist von großer Bedeutung – also niemals bei der Grafik schludern!

Stattdessen visuelle Anreize einbauen: hoch aufgelöste, farbenfrohe Fotos, Illustrationen, Animationen, Videos, Icons, anschauliche Hintergründe, eine ansprechende, moderne Bildsprache. Infografiken sind eine gute Möglichkeit, Informationen anschaulich und lebhaft zu transportieren.

4. Bezüge zum Arbeitsalltag

Um die Aufmerksamkeit und Motivation des Lernenden zu gewinnen und aufrechtzuerhalten, umgeben wir ihn wann immer möglich und sinnvoll mit einer für ihn realistischen Situation. Am besten mit einer, die er aus seinem Arbeitsalltag kennt. Der Praxisbezug wird dabei helfen, realitätsnahe Lernerfahrungen zu sammeln und die Relevanz zu erkennen.

Es kann z.B. Sinn machen, eine Geschichte um eine alltägliche Situation herum zu konstruieren, die den Lernkontext realistischer macht. Diese Geschichte kann über das gesamte Medium hinweg aufrechterhalten, oder sogar vom Lernenden selbst beeinflusst werden, indem man ihn an verschiedenen Stellen Entscheidungen treffen lässt, die den Fortgang der Geschichte bestimmen.

Hilfreich sind auch Best-Practice-Beispiele und Hinweise auf mögliche Stolperfallen.

5. Eindeutige Orientierung

Abseits des inhaltlichen Kerns gehört es zur guten Didaktik, dem Lernenden eine einfache und eindeutige Navigation des Mediums zu ermöglichen. Zu jeder Zeit während der Lernphase muss er wissen, was er zu tun hat, wo die Reise weitergeht und was von ihm erwartet wird.

Dazu gibt es die klassische Möglichkeit der schriftlichen Handlungsanweisung. Aufgelockerter und moderner jedoch ist der Weg, dem Lernenden eindeutige Zeichen zu geben: durch aktive optische Features, durch Symbole und Icons, durch Animationen, Audio oder Video. Dazu gehört auch, dass wir unserem Lernenden jederzeit deutlich markieren, an welcher Stelle im Medium er sich befindet, wieviel er schon geschafft und wieviel er noch vor sich hat. Dazu stehen uns grenzenlos viele Möglichkeiten der grafischen Darstellung eines Lernfortschritts zur Verfügung – leben wir uns auch hier kreativ aus!

Last but not least: Es ist wichtig, dass der Lernende zu jeder Interaktion, zu jeder Entscheidung, zu jeder gestellten Aufgabe direktes Feedback erhält!
So wird sichergestellt, dass Falsches sofort erkannt und Richtiges verstärkt wird. Auch dies hilft dem Lernenden bei der Orientierung.

Und doch – bei allem Streben nach Abwechslung und Kreativität – muss uns bewusst sein:
nicht jedes didaktische Stilmittel passt zu jeder Art von E-Learning. Und noch viel wichtiger: Wir müssen jederzeit Situation und Voraussetzungen des Lernenden richtig einschätzen!

Und hier schlagen wir den Bogen zurück zum Anfang und fragen uns:

  • Was muss der Lernende können?
  • Warum konnte er dies vorher noch nicht?
  • Was wurde bisher unternommen, um das Lernziel zu erreichen?
  • Was ist seine Lernsituation?
  • Wie können wir messen, ob er die Lernziele erreicht hat?
  • Wie können wir eine hohe Praxisrelevanz sicherstellen?

Fassen wir zusammen…

Die Antworten auf diese Fragen bilden die Grundbausteine, aus denen Inhalt, Didaktik, Dramaturgie und Navigation eines guten E-Learning-Mediums idealerweise immer zusammengesetzt sind.

Wir brauchen ausreichendes Wissen über Sinn und Ziel des konkreten Lernmediums und über die Umstände, unter denen der Lernende lernt. Erst dann können wir ein fundiertes Konzept entwickeln, wie die Lernziele zu erreichen und zu beurteilen sind. Dabei nutzen wir auf einfache und klare, aber doch fantasievolle Weise die Möglichkeiten der Interaktion, Visualität und Anschaulichkeit und mischen sie als Zutaten zusammen – in ein hoffentlich perfekt mundendes E-Learning.

Was sind ihre Erfahrungen mit der Erstellung von E-Learning Medien? Haben Sie weitere Anregungen? Tauschen Sie sich mit uns aus und hinterlassen Sie einen Kommentar!

Sie wollen selbst didaktisch fundierte und nachhaltige E-Learning Medien gestalten? Profitieren Sie von unseren Erfahrungen und besuchen Sie unser Didaktiktraining!

Mit einem erfahrenen E-Learning-Didaktiker erarbeiten die Trainingsteilnehmer anhand von Best-Practice-Beispielen und praktischen Übungen das Rüstzeug für die Erstellung didaktisch hochwertiger E-Learning-Medien. Bereits erstellte Medien können gemeinsam analysiert und auf Optimierungspotenzial geprüft werden. Nach dem Training kennen die Trainingsteilnehmer die didaktischen Möglichkeiten zur nachhaltigen Wissensvermittlung und Kompetenzentwicklung und können mit der Erstellung beginnen.

Zielgruppe des Trainings sind E-Learning-Autoren, die Trainingsdauer beträgt 1 Tag.

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