Massenprüfungen leicht gemacht - Vom machbaren Balanceakt anspruchsvoller Klausuren bei höchster Qualität und niedrigen Kosten |
Dr. Frank Hees,
Bereichsleiter Kommunikations- und Organisationsentwicklung,
ZLW-IMA der RWTH Aachen Jährlich absolvieren ca. 1.000 Studierende des Bachelor-Studiengangs Maschinenbau eine Prüfung zur Pflichtveranstaltung „Informatik im Maschinenbau“ an der RWTH Aachen.
Die RWTH stellt hohe Anforderungen an ihre Klausuren. So sollen die Aufgaben einen angemessenen Schwierigkeitsgrad enthalten, die Aufgabenstellung und die Lösungsmöglichkeiten müssen eindeutig sein und die gleichbleibend hohe Qualität der Aufgaben soll über einen langen Zeitraum gewährt werden. Um dies zu gewährleisten, werden in mehreren Durchgängen Probeklausuren geschrieben und dem Hochschullehrer zur Prüfung vorgelegt. Erst nach den strengen Qualitätskontrollen wird die Klausur an die Studierenden zur Prüfung verteilt. Die Klausurerstellung ist somit sehr zeitaufwendig.
Durch diesen hohen Arbeitsaufwand bei der Erstellung von Klausuren ist zwar die hohe Qualität der Klausuren sichergestellt, allerdings entstehen pro Klausur auch enorme Kosten. So sind für eine Klausur mit 1.000 Prüflingen folgende Personalkosten (Wissenschaftliche Mitarbeiter) zu veranschlagen:
| Aufgabenerstellung | 19 Personentage |
| 2 Probeklausuren inkl. Anpassungen | 25 Personentage |
| Klausuraufsicht (13 Hörsäle à 2 − 3 Personen) | 17 Personentage |
| Klausurkorrektur (40 Personen à 5 Tage) | 200 Personentage |
| Gesamtaufwand | 261 Personentage |
- Personalkosten (ca. 250 € pro Tag)
| 65.250 € pro Klausur |
- Vollkostenrechnung (ca. 500 € pro Tag)
| 130.500 € pro Klausur |
Aus diesem Grund wurde nach einer qualitativ hochwertigen elektronischen Alternative zur klassischen Klausur für die Studierenden mit einem vertretbaren Aufwand auf Institutsseite gesucht. Das Ziel war nach einiger Überlegung die Generierung einer intranetbasierten Klausur zur Minimierung der enormen Prüfungsbelastung sowohl für das Institut als auch die Studierenden sowie zur deutlichen Reduzierung der Gesamtkosten.
Für die Umsetzung einer solchen Klausur wurde das bereits erprobte Online-Prüfungssystem (OPS) der inside Unternehmensgruppe angeschafft. Mit dem OPS können Klausuren erstellt, durchgeführt und automatisch ausgewertet werden. Es bietet zahlreiche Aufgabentypen wie z.B. Mehrfachwahlaufgaben, Auswahlaufgaben, Klassifikationsaufgaben, Ordnungsaufgaben und Zuordnungsaufgaben. Darüber hinaus ist die Nutzung von Grafiken, Bildern und Anhängen in allen Bereichen der Aufgaben möglich.
Insgesamt ergeben sich durch den Einsatz des OPS Vorteile für Dozenten und Studierende: |
- Hohe Sicherheit gegen Täuschungsversuche durch die Randomisierung von Fragen und Antworten
- Steigerung der Beurteilungs- und Auswertungsobjektivität
- Wegfall von Material- und Personalkosten für die Vervielfältigung der Klausurbögen
- Vereinfachung der Klausureinsicht durch einen elektronischen Fingerabdruck und pdf-Dokument
- Wiederaufnahme der Prüfung ohne Datenverlust im Falle von technischen Problemen (Rechnerabsturz)
- Minimierung der Personalkosten für die Klausurkorrektur
- Vereinfachung der Evaluation
- Automatische elektronische Archivierung der Klausurdaten und Fragen
- Schnelle und elektronisch automatisierte Bekanntgabe der Ergebnisse
- Qualitätssteigerung der Klausuren
Folgende Aspekte sollten allerdings nicht außer Acht gelassen werden: |
- Es sollte eine handschriftliche Klausur im Falle eines Totalausfalls vorhanden bzw. ein Ersatztermin für die Klausur organisiert sein.
- Geheimhaltung des Fragenpools
- Erhöhter Personaleinsatz in der Entwicklungs- und Initialisierungsphase der Prüfung:
- Erstellung des Fragenpools anhand von Lernzielen
- Elektronische Generierung
- Durchführung eines Pretests
An der RWTH wurde das OPS für die gleichen 1.000 Studierenden des Maschinenbaus im Fach „Kommunikation und Organisationsentwicklung“ eingesetzt, wie die oben beschriebene Klausur mit manueller Korrektur. Im Ergebnis ist festzuhalten, dass nach dem erhöhten Personalaufwand während der Entwicklungsphase der Aufgaben sowohl die Kosten als auch der Zeitaufwand für die Klausurerstellung, die -durchführung und die -korrektur auf Dauer erheblich sinken.
| Inhaltliche und elektronische Fragenpoolerstellung | 80 Personentage |
| 1 Probeklausur inkl. Anpassung | 3 Personentage |
| Klausuraufsicht (13 Hörsäle à 2 − 3 Personen) | 30 Personentage |
| Klausurkorrektur | 0 Personentage |
| Gesamtaufwand | 113 Personentage |
- Personalkosten (ca. 250 € pro Tag)
| 28.250 € pro Klausur |
- Vollkostenrechnung (ca. 500 € pro Tag)
| 56.500 € pro Klausur |
Selbst bei der erstmaligen Erstellung einer Klausur − wenn auch in der geschilderten Fallstudie in zwei unterschiedlichen Studienfächern − sinkt der Personalaufwand von 261 auf 113 Personentage. Sobald der Fragenpool erstellt ist, reduziert sich der Aufwand nochmals um 80 (!) Personentage.
Fazit Der Einsatz des
OPS ist gerade für Klausuren mit vielen Studierenden von Vorteil, da auf Dauer ein großes Potenzial an Arbeitstagen und somit Kosten eingespart werden.
Die Arbeit der Dozenten wird insbesondere in der Entwicklungsphase der Klausuren erleichtert, reduziert diese jedoch nicht zu jedem Zeitpunkt. Dadurch, dass das
OPS den vollständigen Prozess von der Lehrzieldefinition über die Aufgaben- und Klausurentwicklung bis hin zur Auswertung und Evaluation abbildet, bindet es die Dozenten obligat an eine strukturierte Vorgehensweise, die sich an Methoden der Testtheorie orientiert. Das bedeutet in der Initialphase teilweise sogar einen höheren Aufwand. Sobald jedoch erst einmal eine Klausurdefinition erstellt und ein Aufgabenpool aufgebaut wurde, rentiert sich der erhöhte Aufwand langfristig aufgrund der beschriebenen Vorteile.
Das ZLW-IMA ist vom Einsatz des
OPS nicht nur wegen des großen Einsparpotenzials überzeugt. Auch unter Qualitätsgesichtspunkten − wie z.B. der Fehlertoleranz, der uneingeschränkten Möglichkeit zur Klausureinsicht oder der eindeutigen personellen Zuordnung einer Klausur − hat uns dazu veranlasst, das System auch in Zukunft für Klausuren zu nutzen.